Pilgern auf westfälisch

Pilgern

Ich war unterwegs … auf dem Westfälischen Pilgerweg von Höxter nach Dortmund, bin ich in zwei Etappen von Höxter nach Bad Driburg gelaufen. Eine Wallfahrft durch Weserrenaissance, Wald und Kuren.

Etappe 1 von Höxter nach Brakel

Wenn man es richtig machen will, beginnt man den Pilgerweg am Schloss Corvey, das ja seit kurzem Weltkulturerbe und durchaus sehenswert ist. Doch da ich Corvey schon kenne, die Klosteranlage außerhalb liegt, und der Zug mich am Bahnhof mitten in Höxter ausspuckt, spare ich mir den Schlenker und trabe gleich weiter durch den schnuckeligen Stadtkern mit den liebevoll restaurierten Fachwerkhäusern.

Auf dem Weg stadtauswärts zur Michaeliskapelle mitten im Wald begleiten mich Stelen von „vorbildlichen Persönlichkeiten des christlichen Lebens“, wie es auf der Infotafel heißt. Viele sind im irdischen Leben für ihren Glauben gestorben, bieten im Jenseits jedoch  göttlichen Beistand für unterschiedlichste Gruppierungen: So ist beispielsweise der Heilige Eustachius Patron der Schützenvereine, und die Heilige Korbara zeichnet sich für die Artillerie verantwortlich. Ich staune. Auf den ersten Blick scheint eine Verbindung nicht ersichtlich. Verbunden fühle ich mich aber gleich mit dem Heiligen Christophorus, der nicht nur Schutzpatron der Kraftfahrer (!!!) ist, sondern auch der Reisenden – in Bewegung sein ist wohl das Oberthema.

Die Michaeliskapelle hat leider zu – schade, denn sie ist der Mutter von Jakobus dem Älteren gewidmet. Hätte mich ja schon interessiert, wie die Mutter von dem berühmten Sohn aussieht!

Das war’s dann auch erst mal mit den Highlights. Den Rest des Tages, d. h. den Weg nach Brakel, bestreite ich überwiegend in Wald und Flur, oft auf Asphalt, manchmal auch auf Forstwegen. Doch die Landschaft ist himmlisch – nicht umsonst bewege ich mich in einer Premium-Wandergegend!

Übernachtet wird im Kloster Brede, wo die Schwestern unserer Lieben Frau residieren. Eigentlich ein Orden mit Erziehungsauftrag, aber die klostereigenen Schulen und Kindergärten werden mittlerweile vom Haupthaus in Rom gemanagt, da die Nonnen in Brakel zu alt sind und auch keine mehr nachkommen.

Dennoch werde ich aufs Herzlichste von Schwester Ignatia empfangen, die mich mit köstlichem Essen, einem weichen Bett und spiritueller Nahrung versorgt. Sogar ein Zellophanbeutelchen mit selbst gebackenen Haferplätzchen drückt sie mir noch in die Hand, bevor ich am nächsten Tag wieder aufbreche.

Etappe 2 von Brakel nach Bad Driburg

Auch die Innenstadt von Brakel ist nett – mit adretten Häuschen rund um den Marktplatz, klein und kuschelig. Darum fällt es mir auch schwer, zu gehen, doch der Weg ruft! Der ist heute recht einsam. Nichts und niemand lenkt mich ab von meiner Kontemplation; keine Sehenswürdigkeit und schon lange kein Mensch. Selbst die Hundegänger, die mir sonst hin und wieder im Wald begegnen,  spazieren heute nicht. Die einzigen Lebewesen, die sich mit mir fortbewegen, scheint’s, sind die Schnecken.

Selbst die Markierungen lassen mich im Stich – in Alhausen, dem ersten Ort nach Stunden waldwandlerischer Einsamkeit, komme ich nur durch Fragen weiter. Dann ist es zum Glück nicht mehr weit bis zum Reich derer von Oeynhausen-Sierstorpff. Die Grafenfamilie, die Bad Driburg zu dem gemacht hat, was es heute ist: Ein Kurort, der nicht nur für sein Heilbad bekannt ist, sondern vor allem für seinen einzigartigen Landschaftspark. Diesen darf ich, nachdem ich das Mausoleum der hohen Herrschaften passiert habe, mit Pilgerausweis gratis betreten.

Ich übernachte – ganz pilgeruntypisch – in einem Privatzimmer. Derer gibt es viele hier, die die Angehörigen der Kurenden gern in Anspruch nehmen. So finde ich mich denn am nächsten Morgen am Frühstückstisch mit einem Aachener wieder, der seine Frau in der Reha besucht.

Ganz pilgerferne Themen kommen auf den Tisch: Der Zustand der hiesigen Minigolf-Anlage, örtliche Ausflugsmöglichkeiten sowie die Zutraulichkeit des Damwildes im Gräflichen Park. Das reißt mich ein wenig raus aus dem fast schon meditativen Zustand der letzten Tage, bringt mich wieder mit dem wirklichen Leben in Kontakt.

Dennoch habe ich Abstand gewonnen; eine gelungene Tour – für Ruhebedürftige absolut zu empfehlen!

 

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